Bild Amsterdam

Menschen führen heißt Menschen aufwerten

„Gute Führung ist an das richtige Umgehen mit Werten gebunden. Und das Wertvollste, was ein Unternehmen hat, sind nun eben mal seine produktiven Mitarbeiter. [...]

1. Was will Führung? Was kann Führung?

Ein Zug fährt nur dann zum gewünschten Ziel, wenn die Schienenstränge dorthin führen.
Weil hier immer noch viele Missverständnisse bestehen, erscheint es mir wichtig, dass ich zunächst den Begriff „Führung“ kläre:

  • Führen ist nicht das Gleiche wie Leiten.
  • Führen ist auch nicht das Gleiche wie Managen.
  • Führen hat immer mit Menschen zu tun.
  • Führen heißt: Orientierung geben, Sinn vermitteln.
  • Führen heißt: Menschen begleiten auf einem Weg, den sie nicht kennen und nicht allein gehen können.


Wenn Sie einen Weg durch unbekanntes Gelände finden wollen, dann nehmen Sie sich einen Fremdenführer, nicht einen Fremdenleiter. Leiten wird man ein Finanzamt oder einen KfZ-Betrieb. Managen wird man ein Unternehmen, aber führen wird man Menschen, beispielsweise eine Gruppe leistungsbereiter Verkäufer. […]

nach oben

2. Was hat Führung mit Werten zu tun?

Zunächst auch hier eine Begriffserklärung. Was sind Werte? Und wie wirken Werte?

  • Werte stellen eine prägende, normative Kraft dar und damit ein übergeordnetes, lenkendes Element meines Lebens.
  • Werte sind Wurzeln, die uns moralische Bodenhaftung geben und damit Stehvermögen in Konfliktsituationen.
  • Werte sind oft Motor und Energielieferant.
  • Werte geben Orientierung und liefern Schienen, auf denen sich ethisches Verhalten bewegt.
  • Werte sind die Basis für Prioritäten.
  • Werte bestimmen oft Visionen und Zielvorstellungen.
  • Werte vermitteln uns oft „selbstverständliche“ Handlungsmaßstäbe.
  • Werte sind entscheidend bei der Sinnvermittlung.
  • Werte sind nahezu immer religiös verankert oder verwurzelt.

In jedem Fall bestimmen Werte das Führungsverhalten von Menschen.

Die entscheidende Frage ist jedoch:
Wie gehen wir mit Werten um? Alls beginnt damit, dass ich Werte habe – denn nur dann kann ich sie leben, sie praktizieren, andern vermitteln.

Es gibt jedoch einen Wert, bei dem alles beginnt und der dann allen anderen Werten Leben einhaucht: Alles beginnt bei meinem Selbstwert. Ein intakter Selbstwert ist nicht nur die Basis für mentale Gesundheit, hier entscheidet sich auch, ob ich Führungskraft sein kann.

Dieser Selbstwert kann aufgebaut werden, er kann aber auch beschädigt oder sogar zerstört werden! Es ist für jeden Menschen entscheidend wichtig, woher er seinen Selbstwert bezieht. Dieser Selbstwert sollte stabil sein und sollte keinesfalls von der Leistung des betreffenden Menschen abgeleitet werden – sonst verschwindet er ja, wenn dieser Mensch keine Leistung mehr erbringen kann, zum Beispiel wenn er oder sie entlassen wird. […]

Beim näheren Hinsehen entdecken wir, dass es einen Wert gibt, der den Kammerton A der Musik aller Führungspraxis darstellt: die Liebe.

Menschen aufwerten heißt Menschen besser machen – und das heißt ganz einfach: Menschen lieben.
Und das bedeutet: Menschen helfen, besser zu werden, Menschen helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. […]

Wenn ich alle Sprachen sprechen könnte
und ein perfekter Kommunikator wäre –
aber Menschen nicht lieben könnte,
dann würde ich letztlich doch nur Geräusch erzeugen,
und ich würde andere nicht erreichen.
Wer Menschen lieben kann, hat Geduld mit ihnen,
er behandelt sie auch fair,
er stellt nicht immer wieder seine eigenen Vorzüge heraus,
er redet nicht zu anderen herunter,
er spricht mit ihnen – nicht zu ihnen.
Wer Menschen liebt, kann deren Gefühle verstehen,
er sucht nicht immer wieder seinen eigenen Vorteil,
er kann sein Ego kontrollieren
und lässt seinen Ärger nicht an anderen aus.
Wer Menschen liebt, ist nicht nachtragend
und hält anderen nicht immer wieder ihre Fehler vor.
Er freut sich nicht insgeheim, wenn andere ausrutschen,
sonder er freut sich, wenn dem anderen Gutes gelingt.
Wer Menschen liebt, wird sie nicht aufgeben,
er vertraut ihnen – und er traut ihnen etwas zu.
Er gibt ihnen Hoffnung und Ermutigung.

nach oben

[…] In einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey wurde der Begriff „Employee Value Proposition“ geprägt. Das ist derjenige Wert, den ein Mitarbeiter dem Unternehmen gibt, für das er oder sie arbeitet. Und es ist diese persönliche Bewertung, die Mitarbeiter willens und bereit macht, in dieser Firma Höchstleistungen zu erbringen und Karriere zu machen – oder auch nicht.

Wie sehen diese Bewertungen aus? Was muss da vorhanden sein?

  • Ein Chef, den man achten und respektieren kann und der für seine Leute einsteht;
  • ein Unternehmen, auf das man stolz sein kann, gut geführt und angesehen;
  • eine Vergütung, die stimmt: Nicht nur ein gutes Gehalt, auch Möglichkeiten, zu lernen und vorwärts zu kommen;
  • Kollegen, die man achten kann, mit denen man gerne zusammenarbeitet;
  • eine interessante Arbeit, die man mit Sinn erfüllen kann.

An erster Stelle steht aber immer: Ein Chef, den man respektieren kann!

Eine Gallup-Studie hat ergeben, dass bei Kündigungen 80 Prozent aller Mitarbeiter ihren Chef verlassen – nicht ihr Unternehmen. […]

Berater sind immer wieder der Frage nachgegangen, was ein Unternehmen schließlich herausragend gut macht – nicht nur gut oder sehr gut, sondern herausragend gut. Einer hat sogar ein dickes Buch über diese Thema geschrieben, von dem bisher schon über 11 Mio. Exemplare verkauft wurden: Jim Collins „Good to Great“ (Von gut zu großartig).
Er fand in den wenigen großartigen Unternehmen oben an der Spitze Menschen vor, die zwei Qualitäten miteinander kombinieren konnten: Professionelle Willensstärke und persönliche Bescheidenheit. Diese CEOs standen nie im Schaufenster.

Einer der weltweit größten Headhunter, Spencer Stuart, befragte vor einiger Zeit 1,2 Millionen Manager: Was unterscheidet die außergewöhnlich guten Führungskräfte von den durchschnittlich erfolgreichen? Eine der Antworten hätte auch der Apostel Paulus geben können: 90% der außergewöhnlich guten Führer legten Wert darauf, dass ihre Mitarbeiter erfolgreich waren. Die durchschnittlich erfolgreichen Manager konzentrierten sich auf ihren eigenen Erfolg. […]"


nach oben



Quelle:

Auszug aus „Menschen führen heißt Menschen aufwerten.“
Beitrag von Siegfried H. Buchholz aus „Werte sind Zukunft, Konzepte christlicher Führungskräfte“
S.154 ff. haenssler Verlag

Dr. Siegfried Buchholz. Nach seinem Studium der Chemie hat er pomoviert und war von 1961-1993 in den Bereichen Forschung, Anwendungstechnik, Verkauf und General-Management für die BASF national und international tätig. Er war zuletzt u.a. Vice President der amerikanischen BASF Corp. und Generaldirektor der BASF Österreich. Von 1993-1996 war er Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender der Constantia AG. Seit 1996 nimmt er Aufgaben als Managementberater und –coach war.

Zurück